Ötscher ( 1893 m ) - Der Klassiker unter den niederösterreichischen Voralpenbergen... 

Ötschergipfel (1893m); Blick Richtung Westen aufgenommen am 18.September 2002...Alle hartgesottenen Westösterreicher, die glauben in Niederösterreich gibt es keine „vernünftigen“ Berge die es auch wert sind bestiegen zu werden, muss ich mit diesem Beitrag vom hohen Ross herunter holen ;-) Der Ötscher bietet Aufstiegsmöglichkeiten die landschaftlich nicht mehr zu "topen" sind - Ötschergraben und Rauher Kamm lassen grüßen.

Obwohl nur an die 1900 Meter hoch, gehört diese Bergtour doch zu einer meiner schönsten. Freilich kann man den Ötscher auch sehr leicht von Lackenhof aus besteigen. Fährt man überhaupt noch mit dem Lift bis zum Ötscher Schutzhaus kann der Gipfel sogar locker in einer Stunde erreicht werden. Den traumhaften Blick von oben hat man auch mit dieser Variante. Dennoch empfehle ich vom Ötschergraben hochzusteigen – man glaubt ja kaum wie schön es dort ist !

Aufstiegsvarianten die ich kenne:

1.Von der Erlaufklause (800m - auf der Karte im rechten unteren Eck) über den Ötscherhias (ca.680m) und Rauhen Kamm (ab 1515m) zum Gipfel (1893); ca.1200 Höhenmeter; reine Gehzeit für den Aufstieg: 3,5-4,5 Stunden; inklusive Retourweg muss hier schon mit 7-8 Stunden reiner Gehzeit gerechnet werden. Die etwa selbe Gehzeit ergibt sich, wenn man nicht den gleichen Weg retour nimmt, sondern die weiter unten beschriebene "Ötscher Runde" geht. 

Die erste halbe Stunde verbringt man mit dem An- und Abmarsch in den Ötschergraben, den man nach ca. einer halben Stunde auch direkt beim Ötscherhias, einem idyllisch im Graben gelegenen Jausenstation, erreicht. Damit hat man aber diese Bergtour zunächst mit einem 150 Höhenmeter Abstieg eingeleitet. Der weitere Weg führt, beinahe flach, durch den Ötschergraben. Ein landschaftliches Highlight, nicht nur dieser Gegend hier, sondern ganz Österreichs. Unglaublich schön wie der kristallklare, türkis schimmernde Ötscher Bach durch diesen Graben, über unzählige Kaskaden fließt. Leuten denen diese hier beschriebene Bergtour zu lange ist (hin und zurück muss man locker 7 Stunden rechnen), empfehle ich einfach durch diesen Ötschergraben zu wandern. Das ist mit Sicherheit ein bleibendes Erlebnis ! Im Moissengraben führt der Weg nun vom Ötschergraben weg. Ein steiler Anstieg führt bis zu einer Forststraße, die man in weiterer Folge ungefähr eine Viertel Stunde entlang gehen muss. Bei 926m wird das "Jägerherz" erreicht. Bei einer Güterweggabelung beginnt nun auch der Fußweg zum Rauhen Kamm (blauer Weg Nr.12). Durch schütteren Wald gelangt man so nach weiteren 45 Minuten unter die Felsen des Ötschermassives und damit auch zu den Ötscherhöhlen. Kurz darauf ist bei 1535m der Einstieg in den Rauhen Kamm erreicht. Für jeden der sich trittsicher fühlt ist der Rauhe Kamm überhaupt kein Problem. Allerdings ist Schwindelfreiheit unabdingbar. Der Weg verdient das Prädikat traumhaft ! Man geht und klettert genau am Kamm entlang, und hat so immer unglaublich schöne Ausblicke sowohl in den Norden ins Waldviertel als auch in den Süden Richtung Hochschwab Gebiet. Es dauert ca. eine 3/4 Stunde bis man das Hochplateau erreicht hat. Von dort sind es noch lockere 10 Minuten bis zum Gipfelkreuz des Ötscher - eine zugegeben von der Entfernung her eher lange Bergtour, aber mit unvergesslichen landschaftlichen Erlebnissen.

2. Hat man diesen Weg geschafft, empfehle ich nicht den gleichen Weg zurückzugehen, sondern eine Rundtour über das Ötscher Schutzhaus. Reine Gehzeit vom Gipfel bis zur Erlaufklause: 3-4 Stunden.

In 30 bis 60 Minuten ist man vom Gipfel beim Ötscher Schutzhaus (1418m). Das hängt primär davon ab, wie groß der Durst ist ;-) Es ist auf alle Fälle die erste Möglichkeit seit dem Ötschergraben, wo man Trinkwasser bekommt (Daher genug mitnehmen !). Nach dem Ötscher Schutzhaus, das eigentlich mehr eine Schihütte ist, führt der Weg in einem Bogen über die dortige Schipiste nach Süden bis zum Riffel Sattel auf 1284m. Dortige Möglichkeiten sind der Abstieg nach Lackenhof, der Aufstieg auf den Kleinen Ötscher (1552m) oder eben der Abstieg in den Ötschergraben über den Weg 206B. Vom Sattel benötigt man ca. eine halbe Stunde bis ein Güterweg erreicht ist, den man in Folge doch recht lange (ca.3 km) entlang gehen muss. Das ist aber schon der einzige Nachteil dieser Tour, denn dann folgt der gut markierte Abstieg in den Ötschergraben und schließlich die zwar wieder weite (ca.5km), aber sensationell schöne Wanderung durch den Ötschergraben. Vorbei am Schleierfall und unzähligen landschaftlichen Leckerbissen gelangt man schließlich wieder zum Moissengraben, wo sich die hier beschriebene "Ötscher Runde" wieder schließt. Der weitere Weg ist oben schon beschrieben, nur geht es diesmal eben in die andere Richtung, was ab dem Ötscherhias einen Anstieg von ca.150 Höhenmeter bedeutet. 

Alles in allem ist der Anstieg auf den Ötscher von der Erlaufklause eine konditionell anspruchsvolle und landschaftlich einzigartige Bergtour ! 

3. Von Lackenhof (809m) aus. 1084hm ca. 2,5 Stunden.  Vor allem im Winter interessant. 

Herrliche Schitour mit allen möglichen Abfahrtsvarianten vom Ötscher. Man kann bis zum Ötscherschutzhaus (1418m) mit dem Lift hochfahren. Ich empfehle aber bei guter Schneelage zwischen der schwarzen und roten Piste (siehe auf der Homepage der Liftgesellschaft www.oetscher.at) "wild" durch den Hochwald bis zum Ötscherschutzhaus zu gehen.  Danach folgt der leichte Anstieg bis zum Kamm und dann der ebenfalls leichte  Richtung Osten führende Aufstieg bis zum Gipfel. 


Beinahe Besteigung Ötscher - 25. Jänner 2003
Wer Christine & me 
Wetter sehr neblig; 50 cm Neuschnee - yeahhhhh !!!
Aufstieg  Ein Wochenende in Lackenhof am Ötscher. Wir fuhren am Samstag sehr zeitig zu Hause weg und waren schon gegen 10:00 in Lackenhof. Eine traumhafte Winterlandschaft wartete dort auf uns. Das erste Mal in diesem Winter, dass wir einen wirklichen Winter sahen !  Die Touren bis jetzt ( Blahstein und Tirolerkogel) waren ja eher durch Ihren Schneemangel aufgefallen. An diesem Tag aber war alles anders. Ein halber Meter Neuschnee, die Bäume durch Wind und Eis gezeichnet - EIN WAHNSINN ! Diese Neuschneemengen hatten nur einen Nachteil. Wir konnten die Tour bis zum Gipfel nicht wirklich wagen. Aber egal - wir waren bestens aufgelegt und stapften zunächst vom Parkplatz im Weitental in die schwarze Pistenabfahrt hinein. Ungefähr 200 Höhenmeter gingen wir der Piste entlang, bis ich die Flucht in den Wald suchte. Der weitere Aufstieg war zwar anstrengender als über die Piste, aber umso schöner. Wir gingen über 1 Stunde durch den traumhaft verschneiten Hochwald, bis wir schließlich nach insgesamt 2 Stunden das Ötscherschutzhaus (1418m) erreichten. Ein kurze Pause wurde eingelegt bis wir uns entschieden, ein wenig weiter zu gehen. Da ich ja im Sommer (siehe unten) vom Ötscher zum Ötscherschutzhaus abgestiegen bin, wusste ich, dass es dort oben nicht sehr steil war. Wir kamen ungefähr bis zum Hüttenkogel. Genau konnte ich es nicht sagen, da der Nebel enorm war. Sichtweiten von ca. 50 Meter machten ein Weitergehen sowieso unsinnig. Aber auch mit Sicht wäre ich an diesem Tag nicht auf den Gipfel gegangen. Die Kammlage des weiteren Aufstieges machte den an sich ungefährlichen Aufstieg durch die gehörig verfrachteten Neuschneemengen doch zum unnötigen Risiko. Also machten wir dort oben im Nebel Pause, zogen uns um, tranken Tee und freuten uns über den Tag ! 
Abfahrt Wir fuhren zum Ötscherschutzhaus ab, kehrten ein und ließen es uns gut gehen. Nach ungefähr einer Stunde Pause fuhren wir durch den Hochwald ab. Für Christine eine Herausforderung. Ich hatte enorm Spaß - mit dem Schnee und mit Christine ;-))) Unten im Tal angekommen, machten wir noch eine Testsuche mit unseren Lawinenpieps. Wir werden sie hoffentlich nie benötigen, aber wenn doch, dann sollte man so schnell wie möglich helfen können. 

Der Rest vom Tag war auch unheimlich gemütlich. Wir fuhren zur Pension wo ich ein Zimmer für diese Nacht gebucht hatte, kultivierten uns und verbrachten den Abend mit Barbesuch und sehr gutem Abendessen in Lackenhof. Ein Tag, der abgesehen vom Wetter, nicht schöner sein konnte. 

Am nächsten Tag fuhren wir schon am Vormittag 20 km über die Loipen von Lackenhof und fuhren danach leider wieder nach Hause - Lackenhof wir kommen wieder !  


Besteigung Ötscher - 18. September 2002
Wer Alleine
Wetter sehr schön; wolkenlos
Aufstieg  Eine Tour die ich nicht so schnell vergessen werde. 7 Stunden reine Gehzeit hatte ich mir nicht erwartet. Ich hätte wohl einen genaueren Blick auf die Karte werfen sollen ;-) Und diese 7 Stunden habe ich auch noch ordentlich Gas gegeben, sonst wäre ich immer noch unterwegs ...;-) Landschaftlich war die Tour ein absolutes Highlight. Ich fuhr also alleine von Guntramsdorf Richtung Ötscher. 2 Stunden dauerte die Anfahrt und so startete ich erst um halb 11 von der Erlaufklause. Mir war schon klar, dass die Tour an diesem Tag länger dauern würde (schließlich hatte ich ja doch einen Blick in die Karte riskiert) und so schlug ich gleich ein höheres Tempo an. Bin also wie oben beschrieben über den Ötschergraben und den Rauhen Kamm aufgestiegen. Der Aufstieg war anstrengend und wunderbar zugleich. Leider hatte ich zu wenig Wasser mit. Dieser Anfängerfehler passiert mir in regelmäßigen Abständen und ich glaube kaum, dass es da Rettung für mich gibt ;-) Am Schönsten war der Rauhe Kamm - ich hatte das Gefühl jetzt endlich wieder einmal auf einen wirklichen Berg zu sein ... Unterwegs hatte ich nur 3 Leute getroffen, aber am Gipfel waren wesentlich mehr. Die Meisten kamen von Lackenhof herauf. Von dort ist der Berg auch sehr leicht erreichbar. Ich machte eine Jausenpause und schaute über das Maria Zellerland bis ins Gebiet des Hochschwabs hinein. Von dort oben konnte ich auch ganz genau den Weg, den ich gegangen war, verfolgen. Nach ungefähr einer halben Stunde brach ich aber wieder auf, schließlich war der Weg noch weit...
Abstieg Ich ging die Runde über das Ötscher Schutzhaus, da ich unbedingt meine Trinkvorräte auffüllen musste. Diese "Zwangsumleitung" entpuppte sich aber als Glücksfall, da die Eindrücke am Weg doch enorm waren. Ich lief beinahe bis zur Hütte (nach 30 Minuten war ich dort) und bestellte 4 große Apfelsaft gespritzt (!?!?). Zwei zum sofort Trinken und zwei zum Mitnehmen. Ich war tatsächlich etwas ausgetrocknet ;-) Der weitere Weg war noch lange, also bin ich nach kurzer Pause auch gleich wieder los. Hinunter zum Riffel Sattel, durch das Waldstück bis zum etwas langweiligen Güterweg. Ich war froh, als ich die Abzweigung in den Ötschergraben erreicht hatte. Im Graben selbst machte ich immer wieder kleine Pausen - zu groß sind die dortigen Eindrücke. Um 19 Uhr war ich beim Ötscherhias. Leider hatte er schon geschlossen. Nichts war's mit der Jause die ich schon 2 Stunden lange vor meinem geistigen Auge sah. So bin ich also wie vom Affen gebissen die Steigung zur Erlaufklause beinahe hinaufgelaufen und war dann froh das Auto noch knapp vor der Dämmerung erreicht zu haben.
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